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Einseitige Fussschmerzen mit Kribbeln und Taubheitsgefühl

Ohne vorangegangenes Ereignis oder Trauma klagt eine 53-jährige Amateur-Marathonläuferin seit einem Jahr über messerstichartige Schmerzen an der rechten Fusssohle.

Vorgeschichte

Anfangs traten die Schmerzen nur kurzzeitig auf und verschwanden dann wieder, später würden sie stärker und gingen schliesslich nicht mehr weg, i. B. stellt sich eine Taubheit an der Aussenseite der rechten Fusssohle ein. Die Beschwerden waren unabhängig von der Belastung. Sie ist ansonsten gesund und nimmt keine Medikamente ein.

Klinische Untersuchung

Die sonst unauffälligen klinische neurologische Untersuchung zeigt einzig eine Fühlstörung der rechten Fusssohle  im Bereiche des fünften Zehenstrahls und eine Klopf- und Druck-Schmerzhaftigkeit im Innenknöchelbereich, wo auf eine leichte Schwellung tastbar ist.

Weitere Abklärungen

Beim Verdacht auf eine (Teil-) Funktionsstörung des Nervus tibialis rechts (Tarsaltunnelsyndrom) wird eine erste elektrische Nervenmessung (EMNG-Screening) durchgeführt, welche normal ausfiel.

Die hochauflösende Nerven- und Weichteil-Ultraschalluntersuchung zeigt hingegen eine Raumforderung im Bereiche des Innenknöchels mit Proximität zum Nervus tibialis (Abb. 1).

Nerven- und Weichteil-Ultraschalluntersuchung
Abb 1: rechte Spalte koloriert: blau Tumoranteile; grün Nerv

Eine vertiefte elektrophysiologische Messung des N. tibialis (Analyse aller sensorischen Äste) mit Hilfe der Ultraschall-unterstützten Positionierung der Ableitnadeln (Abb. 2) zeigt eine fehlende Signalantwort nach Reizung der rechten Kleinzehe (Abb. 3 siehe Pfeil).

Ultraschall-unterstützten Positionierung der Ableitnadeln
Abb. 2
fehlende Signalantwort nach Reizung der rechten Kleinzehe
Abb. 3

Die im Anschluss erfolgte Magnetresonanz-Untersuchung bestätigt das Vorliegen eines gutartigen Weichteiltumors, am ehesten eines Nervenscheidentumors mit scharf abgrenzbarer knotiger Raumforderung und starker Kontrastmittel-Anreicherung (Abb. 4, weisser Pfeil).

Magnetresonanz-Untersuchung Tumor
Abb. 4

Diagnose

Kompressionsneuropathie des Nervus tibialis, Ramus plantaris lateralis digiti quinti rechts bei/mit

  • Klinisch : positives Nervenklopfzeichen im Tarsaltunnelbereich re und Fühlstörung im 5. Strahl der Fusssohle
  • Elektrophysiologisch: Fehlende sensible Antwort bei Ableitung des Nervus tibialis nach Reizung der Kleinzehe rechts
  • Sonographie: Raumforderung im Innenknöchelbereich, DD Nervenscheidentumor
  • MRI: Knotige, Kontrastmittel-aufnehmende, scharf begrenzte retromalleoläre Raumforderung mit zentraler Nekrose

Therapie

Offene Entfernung zweier Nervenscheidentumore des lateralen Astes des Nervus tibialis Ramus plantaris lateralis rechts (Abb. 5).

Tumorgewebe und freigelegter Nerv
Abb. 5 dicker Pfeil: Tumorgewebe; dünner Pfeil: freigelegter Nerv. Operateur Dr. Stephan F Schindele, Handchirurgie.

Definitive Diagnose

Die Gewebeuntersuchung (Histologie) ergab die Diagnose eines Schwannoms.

Verlauf

5 Wochen nach der Operation berichtet die Patientin über eine Besserung der Schmerzen bei noch vorhandenem Taubheitsgefühl der Ferse und Aussenseite der Fusssohle.

Kommentar

Schwannome zählen zu den gutartigen Nervenscheidentumoren des peripheren Nervensystems und machen ca. 5% aller Weichteiltumoren aus. Wie der Name sagt, handelt es sich um eine Proliferation der Schwann-Zellen, welche als Hüll- und Stützzellen die peripheren Nerven umhüllen und bei markhaltigen Nervenfasern das Myelin bilden (eine elektrische Isolierschicht). Es sind meist solide und langsam wachsende solitäre  Tumore, welche bevorzugt zwischen dem 40. bis 60. Lebensjahr auftreten.

Dieser Fall zeigt exemplarisch, wie gut sich die Kombination von klinisch-neurologischer Untersuchung zusammen mit der Elektrophysiologie (Nerven- und Muskel-Funktionsmessung) als dynamisch-funktionelle Messung und der hochauflösenden Nervenultraschall-Untersuchung als dynamisch-strukturelle Untersuchung im klinischen Alltag ergänzen.

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